Notfallbetrieb
Ersatzprozesse für den Ausfall kritischer Systeme — Auslöser, Dauer, Übergabe an den Wiederanlauf.
Was Notfallbetrieb / Ersatzprozesse sind
Notfallbetrieb ist die Art, wie das Unternehmen weiterarbeitet, wenn ein wichtiges System ausgefallen ist — bevor der Wiederanlauf den Normalzustand wiederherstellt. Ein Ersatzprozess ist eine konkrete Vorgehensweise dafür: meist mit reduzierter Kapazität, anderen Werkzeugen, anderen Verantwortlichen.
Klassische Beispiele:
- „Papier statt ERP" — Aufträge werden auf Lieferschein-Vordrucken erfasst, später nachgebucht.
- „Telefonkette statt E-Mail" — wenn das Mailsystem ausfällt, läuft die interne Abstimmung über eine zuvor festgelegte Telefonliste.
- „Bargeld statt Kartenterminal" — Ladenkasse wechselt auf reine Bargeld-Annahme.
- „Mobiles Hotspot-Büro" — Internet-Ausfall im Hauptsitz: Mitarbeiter arbeiten temporär über Mobilfunk-Hotspots oder im Home-Office.
Erreichbar über die Sidebar „Notfallhandbuch → Notfallbetrieb".
Abgrenzung zu „Notbetrieb / Ersatzprozess (Kurznotiz)" am System
In der System-Erfassung gibt es ein kurzes Feld Notbetrieb / Ersatzprozess — das ist eine systemspezifische Kurznotiz („Drucker manuell rebooten", „Cache-Server temporär abschalten"). Sie bleibt am System und ist gut für 1-zu-1-Hinweise.
Ein Ersatzprozess als eigene Entität ist anders: er kann
- mehrere Systeme gleichzeitig abdecken (z. B. „Papier-Lieferschein" ersetzt ERP + Lagerverwaltung + Etikettendruck),
- organisatorisch sein, ohne überhaupt an ein System gebunden zu sein („Telefonkette"),
- Verantwortliche, Auslöser, Dauer und Übergabe mitführen.
Die Faustregel: Kurznotiz für „dieses eine System macht nervt manchmal so", Ersatzprozess für „so läuft die Firma im Notfall weiter".
Einen Ersatzprozess anlegen
Knopf „Neuer Ersatzprozess". Pflichtangabe:
- Titel — z. B. „Papierbasierter Auftragsdurchlauf".
Empfohlen — das ist es, was den Eintrag im Ernstfall tragfähig macht:
- Beschreibung — Schritt für Schritt, was zu tun ist. Inkl. Kapazität: „30 % Durchsatz mit Papier statt ERP", „nur kritische Aufträge, keine Reklamationen".
- Auslöser — wann wird dieser Prozess aktiviert? z. B. „ERP länger als 2 Stunden nicht erreichbar". Klare Auslöser sparen Diskussion in der Krise.
- Verantwortliche Rolle / Person — wer entscheidet die Aktivierung und führt durch.
- Priorität — Hoch / Mittel / Niedrig. Bei zwei gleichzeitig möglichen Ersatzprozessen wird der mit höherer Priorität bevorzugt.
- Max. Dauer (Stunden) — wie lange darf dieser Ersatzbetrieb laufen, bevor eskaliert wird? Verhindert, dass aus einem Workaround ein Dauerzustand wird.
- Übergabe an Wiederanlauf — was muss nachgeholt werden, sobald das System wieder da ist? z. B. „Papierbelege ins ERP nachbuchen, Reklamationen aus Mappe abarbeiten". Ohne diese Notiz geht im Wiederanlauf Information verloren.
- Betroffene Systeme — welche Systeme deckt dieser Prozess ab? Mehrfachauswahl. Kann auch leer bleiben (rein organisatorischer Ablauf).
Einsatz im Ernstfall
Im Krisen-Cockpit oder im Wiederanlauf-Plan sieht der Notfallbeauftragte:
- Welches System ist ausgefallen? → System-Detailseite öffnen.
- Welche Ersatzprozesse sind dafür hinterlegt? → Badges am System zeigen direkt, wer welchen Ersatzbetrieb führt.
- Aktivieren und protokollieren — die verantwortliche Rolle setzt den Ersatzprozess auf, die max. Dauer wird notiert.
- Übergabe — sobald das System wieder läuft, werden die Übergabe-Notizen abgearbeitet, bevor der Ersatzprozess deaktiviert wird.
Querverweise
- Systeme — am System gibt es weiterhin die Kurznotiz
fallback_process. - Wiederanlauf — der Ersatzprozess überbrückt die Zeit bis der Wiederanlauf greift.
- Sofortmittel — physische Voraussetzungen (Papierformulare, Bargeld, Notebook-Pool), die ein Ersatzprozess braucht.
- Rollen — die verantwortliche Rolle eines Ersatzprozesses sollte in den Pflichtrollen oder einer eigenen Rolle hinterlegt sein.